Eine Reise nach Tschernobyl: Viele Leute hielten das für eine wahnwitzige Idee. Wer würde auf die Idee kommen, in eine Gegend zu reisen, in der die größte Nuklearkatastrophe aller Zeiten stattgefunden hat? Die Antwort: bis 2022 jedes Jahr zehntausende Menschen. Laut der staatlichen Zonenverwaltung besuchten 2019 rund 124.500 Menschen die Sperrzone, 2020 rund 36.500 und 2021 rund 73.600. [Re4] Das Jahr 2019 war damit ein Rekordjahr. [Re5] Ganz besonders junge Leute zog es nach Tschernobyl. Über Jahre boten verschiedene Veranstalter Reisen nach Tschernobyl an, die Tagestouren starteten in der Regel von Kiew aus.
Seit dem russischen Angriff im Februar 2022 ist dieser Tourismus zum Erliegen gekommen. [Re3] Was während der Besetzung der Sperrzone durch russische Truppen geschah, erfährst du auf der Seite Tschernobyl heute.
Eine Reise - Die Sperrzone Tschernobyl
Wie groß die Sperrzone ist und wo ihre Grenzen verlaufen, erfährst du unter Allgemeine Infos. Das ukrainische beziehungsweise belarussische Militär überwacht die Grenzen der Zone. Betreten durfte man die Zone auch vor 2022 nur mit einer Genehmigung. Für die Organisation der Besuche war ein Staatsunternehmen der Zonenverwaltung zuständig, und die Besucher bewegten sich auf festgelegten Routen. [Re4] Die Genehmigungen erhielt man am einfachsten über Reiseveranstalter in Kiew, die geführte Touren in die Zone anboten. Die Preise schwankten je nach Versorgung und zum Beispiel Zusatzversicherung zwischen 200 und 400 Euro.
Seit Kriegsbeginn dürfen nur noch Journalisten und offizielle Delegationen mit einer Akkreditierung des Verteidigungsministeriums in die Zone, und das nur in Begleitung von Mitarbeitern staatlicher Unternehmen der Zonenverwaltung. [Re2]
Anreise und Unterkunft in Tschernobyl
Vor 2022 wurden alle geführten Reisen von Kiew aus angeboten, das nur circa 90 km südlich der Sperrzone liegt. Wer an einer geführten Tour teilnahm, musste in der Regel selbst nach Kiew reisen, meistens mit dem Flugzeug. Dann ging es mit einem Reisebus oder Kleinbus in Richtung Norden zum Kernkraftwerk. Bei nahezu allen Touren war eine Basisverpflegung inbegriffen.
Seit 2022 ist der ukrainische Luftraum für die zivile Luftfahrt geschlossen, die Ein- und Ausreise ist nur auf dem Landweg möglich. [Re1]
Strahlenbelastung in und um Tschernobyl
Die Strahlenbelastung ist in verschiedenen Bereichen der Sperrzone von Tschernobyl unterschiedlich hoch. Bei den Touren vor 2022 bekamen Besucher Dosimeter, und an den Kontrollpunkten der Zone wurden Fahrzeuge und Personen auf radioaktive Verschmutzung geprüft. [Re4] Wichtig war, sich auf den vorgeschriebenen Wegen und Plätzen zu bewegen und Warnschilder nicht zu ignorieren, denn abseits davon gibt es sogenannte Hot Spots.
Wie hoch die Strahlung in der Zone ist und wie sie sich seit 2022 entwickelt hat, erfährst du auf der Seite Strahlenbelastung.
Eine Reise nach Tschernobyl - Auf eigene Faust
Die Zone auf eigene Faust und ohne Genehmigung zu betreten, war auch vor 2022 verboten. Die Sperrzone ist ein kontrolliertes Gebiet, illegaler Tourismus dort ist untersagt und wird in der Ukraine als Ordnungswidrigkeit verfolgt. [Re6] Neben der rechtlichen Seite bestand und besteht in der Zone Lebensgefahr, sei es durch Hot Spots, wilde Tiere oder baufällige Ruinen. Seit der Besetzung 2022 kommen Minen, Sprengfallen und andere Kampfmittel hinzu, die regelmäßig von Wildtieren ausgelöst werden. [Re2] Mehr dazu findest du in den Sicherheitshinweisen.